Ein zeitweiliger Vorteil

5. November 2009

Während ich diese Zeilen schreibe, sind nun am dritten aufeinanderfolgenden Tag Kursgewinne an den US-Börsen zu beobachten. Das erleichtert die Bullen, nachdem die Blue Chips in den letzten zwei Wochen ordentlich Federn lassen mussten. Es ist wirklich faszinierend, wie die Leute in diese kurzfristigen Schwankungen irgendetwas zu interpretieren versuchen. Auch ich kann mich davon nicht komplett freimachen. Andernfalls hätte ich sicher nicht eine Phalanx von Bildschirmen auf meinem Schreibtisch, die im 10-Sekundenrythmus die neuesten Marktdaten anzeigen. Mein Glaube an sichere und ewige Fakten leitet mich aber durch kurzfristige Momente des Zweifels.

Sie dürften den aktuellen Fed-Bericht inzwischen gelesen haben. Mir liegt er noch nicht vor, da ich beim Schreiben dieser Kolumne gewisse Fristen einhalten muss. Obwohl ich nicht weiß, welche zweideutigen Wörter die Fed diesmal in ihren Bericht geschmuggelt hat, kenne ich die wahren Absichten Washingtons hinsichtlich des Dollars. Seit September sind die Immobilienpreise in drei aufeinanderfolgenden Monaten gestiegen. Und die Bauausgaben haben den stärksten Anstieg seit mehr als sechs Jahren verzeichnet. Diese Entwicklung ist auf ein einziges Fed-Programm zurückzuführen: Eine Steuergutschrift über 8.000 Dollar, mit der augenscheinlich neue Käufer in den Markt gezogen werden sollen.

Das ist deshalb dumm, da wir dadurch, dass nicht kreditwürdige Leute ein Haus kauften, erst in diesen Schlamassel geraten sind. Eines ist sicher: Washington wird nie damit aufhören, US-Dollar auf den Markt zu schütten. Bislang hat noch nie eine US-Regierung das nötige Rückgrat bewiesen, bis man durch die Inflation schließlich doch zur Einstellung dieser obskuren Praktiken gezwungen wurde.

Mit freundlichen Grüßen,

Adam Lass

US-Redakteur Taipan

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