Über Szenarien
4. März 2010Die Aktienkurse sind derzeit im Wesentlichen auf dem Niveau von vor sechs Monaten. Richtungslose Entwicklungen wie diese sind per definitionem das Resultat durchwachsender Nachrichten oder, etwas präziser ausgedrückt, das Resultat unterschiedlicher Interpretationen von Fakten. Man kann es auch als Problem von Angebot und Nachfrage sehen. Mangelnde Übereinstimmung schafft Nachfrage nach etwas, von dem es wenig gibt: Klare Vorstellungen davon, was als nächstes geschehen wird.
Ausnahmsweise muss ich meinem Kollegen Justice Little widersprechen, der gestern über die Abkopplung des Ölpreises von der Aktienkursentwicklung gesprochen hat. Zunächst einmal glaube ich, dass Währungsschwankungen die kurzfristige Ölpreisentwicklung beeinflusst haben. Wir hören derzeit, dass Griechenland sich beugt und die Staatsausgaben drosseln will. Dadurch wird es dem Ölpreis erlaubt, die kritische Marke von 80 Dollar zu überschreiten.
Und in noch einem Punkt bin ich anderer Meinung als Justice. Er glaubt, dass Washington langsam aber sicher Überschusskapital aus dem Markt abziehen wird. Das wäre sicher eine vernünftige und weise Entscheidung zur Dämpfung der Inflation. Unglücklicherweise ist so etwas noch nie vorgekommen und auch in diesem Fall glaube ich, dass Rauchgranaten geworfen werden. Das wird so weitergehen bis die Steuerzahler auf die Barrikaden gehen und sich über die Inflation beschweren.
Mit freundlichen Grüßen,
Adam Lass
US-Redakteur Taipan




