Goldman Sachs: Die Betrugsklage ist erst der Anfang

21. April 2010

Goldman Sachs hat am Dienstag einen enormen Gewinnsprung für das erste Quartal um 91% gemeldet. Der Markt scheint die Betrugsklage der SEC inzwischen für eine Lappalie zu halten. Goldman Sachs wird eine Strafe von sagen wir 100 Mio. Dollar zahlen und die Akten damit schließen. Unser Leser Robert schreibt:

„Leider bleibt unerwähnt, dass Goldman Sachs in dem Deal selbst 90 Mio. Dollar verloren hat. Und immerhin hat ACA Dinge in die CDOs gesteckt, von denen Goldman Sachs nichts wusste! Darum ist es auch ein zivilrechtlicher Prozess und kein strafrechtlicher.“

Wo soll ich beginnen? Goldman Sachs verweist natürlich selbst auf den Verlust, um nicht als Bad Guy, sondern als Geschädigter dazustehen. Abgesehen davon kann man unter Verlust Vieles verstehen. Angenommen Sie und ich kaufen ein Lager voller Waren. Sie investieren 90% der Summe, ich 10%. Was Sie nicht wissen: Hinter Ihrem Rücken verschaffe ich mir eine Versicherung gegen Feuerschäden. Wenn das Lager abbrennt, verdiene ich mir an den Versicherungszahlungen eine goldene Nase. Natürlich habe ich auch einen Verlust gemacht, nämlich meine 10-prozentige Beteiligung. Darauf beruft sich Goldman Sachs nun.

Zu der Behauptung, ACA habe die CDOs nach Belieben bestückt: Das ist ganz einfach Phantasie. Dass man Goldman Sachs keine Mitschuld nachweisen kann bedeutet nicht, dass Goldman Sachs auch keine Schuld trägt. Goldman Sachs steckt in einem zivilrechtlichen Verfahren, weil Washington schlechte Erfahrungen mit strafrechtlichen Prozessen gegen Bear Stearns gemacht hat. Es ist dort deutlich schwerer, belastbare Beweise vorzubringen. Dadurch hat Washington nun größere Chancen, die Verantwortlichen zur Verantwortung zu ziehen.

Mit freundlichen Grüßen,

Justice Litle

US-Redakteur Taipan

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