Warren Buffet und die Rating-Agenturen
7. Juni 2010Das Verhalten der Rating-Agenturen war einer der Gründe für die weltweite Finanzkrise. In den USA haben die drei “großen” Rating-Agenturen Moody’s, Fitch und S&P die Befugnis über die Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Ländern zu entscheiden. Wie also trugen diese Rating-Agenturen zur Finanzkrise bei? Ganz einfach, sie warfen zugunsten des Profits einfach die Due Diligence aus dem Fenster. Sie haben so ziemlich allem und jedem das Rating “AAA” verpasst, weil sie dafür ordentlich bezahlt wurden. Rating-Analysten, denen bei dieser Sache nicht ganz wohl zumute war, wurden unter Druck gesetzt, den Mund zu halten oder sich einen anderen Job zu suchen.
Und es waren die Rating-Agenturen, die inmitten der Immobilienblase Ramsch in Gold verwandelt haben. Und um die Sache noch schlimmer zu machen: Die Rating-Agenturen scheinen sich dabei an folgende Regeln gehalten zu haben: 1.) Sie haben das Rating für ein Unternehmen (oder ein Land) viel zu lange aufrechterhalten. 2.) Als sich die Lage verschlimmerte, haben sie alle Anzeichen der Gefahr ignoriert. 3.) Sie haben erst zum sinnlosesten Zeitpunkt reagiert, nämlich dann, als die Krise schon in voller Blüte stand. 4.) Dann haben sie sich zum Downgrade entschieden, um die Lage vollends zur Implosion zu bringen.
Und trotzdem scheint Warren Buffet die Rating-Agenturen immer noch für eine wunderbare Idee zu halten. Das wäre kein Problem, wenn Warren Buffet einer dieser amoralischen Kapitalisten wäre. Aber man dachte immer, Buffet sei anders. Und in diesem Zusammenhang möchte ich Sie noch auf etwa anderes hinweisen: Es wird einem ja immer wieder geraten, man sollte so investieren, wie es Warren Buffet tut. Bei allem Respekt, aber diesen Ratschlag sollten sie vergessen. Warum? Ganz einfach: Wenn Sie kein Milliardär sind, können Sie es sich einfach nicht leisten.
Letzte Woche war Warren Buffet mit rund 13% an Moody’s beteiligt. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich kann es mir nicht leisten, an einem Investment festzuhalten, das 70 Prozent an Wert verloren hat. Kaufen und Halten klingt in der Theorie gut, aber selbst für langfristig orientierte Investoren gibt es einen Zeitpunkt, an dem man verkaufen muss.
Mit den besten Grüßen,
Ihr Justice Litle
US-Redakteur Taipan





