Die Achse des Irrtums – Teil 1
15. Juni 2010Ich bin bereits in der Vergangenheit auf die Verbindungen zwischen der US-Regierung und der Wall Street eingegangen. Die “Achse des Irrtums”, wie ich sie gerne nenne, hat in letzter Zeit erneut für einige Schlagzeilen gesorgt. Und dies wohl mit reiner Absicht.
So habe ich gerade in diesem Moment einen Artikel vor mir liegen, in dem mir erzählt wird, dass die US-Amerikaner inzwischen reicher sind als noch vor vier Quartalen. Ein wesentlicher Grund hierfür sei die Tatsache, dass die Aktien, die wir inmitten des Crashs nicht abgestoßen haben, inzwischen rund 57 Prozent an Wert gewonnen haben. Dass diese Aktien seit Mitte April wieder 10 Prozent gesunken sind, erwähnt der Artikel natürlich nicht. Stattdessen wird auf die “beachtlichen Gewinne” in den letzten drei Handelstagen hingewiesen.
Wir sollten dabei auch nicht vergessen, dass unser vermeintlicher Wohlstand in hohem Maße davon abhängt, wie viel Geld Washington in die Wirtschaft pumpt. Wir erinnern uns an die Zeit, als sich unser schöner Wohlstand beim Platzen der Dot.com- und Immobilienblase in Luft auflöste.
Ein noch bekannteres Beispiel für die Schlagzeilen der “Achse des Irrtums”: Letzte Woche wurde ein deutlicher Rückgang der US-Arbeitslosigkeit gemeldet. Präsident Obama hat sich in diesem Zusammenhang stolz vor die Presse gestellt und seine Zuversicht zum Ausdruck gebracht. Beim genaueren Hinsehen wurde allerdings jedem klar, dass 95 Prozent der ausgewiesenen Neueinstellungen auf staatliche Teilzeitjobs entfallen sind. Viele dieser Jobs waren bereits bei Bekanntgabe der Arbeitslosenzahlen nicht mehr vergeben.
Wenn Sie einen Blick hinter den Vorhang werfen wollen statt sich auf offizielle Daten zu verlassen, dann sollten Sie eher Fed-Chef Bernanke Gehör verleihen. Dieser hat kürzlich vor dem US-Kongress darauf hingewiesen, dass eine Rezession mit doppelter Talsohle nicht ausgeschlossen werden könne.
Mit den besten Grüßen,
Ihr Adam Lass
US-Redakteur Taipan




