Insolvenz nach Chapter 66?
9. Juli 2010Wenn Privatpersonen und Unternehmen Insolvenz anmelden, tun sie das nach den Kapiteln 7 und 11 des US-amerikanischen Insolvenzrechts. Aber was, wenn ein US-Bundesstaat zahlungsunfähig ist? Ich nenne es in Anlehnung an einen berühmten Interstate Highway eine Chapter 66-Insolvenz.
In The Global and Mail war kürzlich zu lesen, dass 48 der 50 US-Bundesstaaten in diesem Jahr Haushaltsdefizite melden. Viele der Haushaltsdefizite liegen bei 20% und mehr. Wie sind wir in den USA bloß an diesen Punkt gelangt? Im Wesentlichen genau so wie Griechenland: Man gab mehr Geld aus als verfügbar war und ignorierte die Konsequenzen so lange wie irgend möglich.
Illinois ist ein Musterbeispiel dafür, wie schlecht die Lage sein kann. Der Staat hat den Punkt erreicht, an dem im Wortsinne keine Rechnungen mehr bezahlt werden können. Das Pensionssystem des Staates ist zu 50% unterfinanziert. Es steht einfach kein Geld mehr zur Verfügung. Was tut der Gouverneur von Illinois dagegen? Natürlich gibt er noch mehr Geld aus. Lohnerhöhungen sind in Illinois an der Tagesordnung. In Kalifornien ist die Lage ähnlich düster. The Globe and Mail hat etwas mit Zahlen gespielt und vorgerechnet, dass der Sonnenstaat 168.000 Gefängnisinsassen freilassen und 240 Universitäts- und College-Campi schließen müsste, um das Haushaltsdefizit auszugleichen. Arnold Schwarzenegger hat nun für 200.000 Staatsangestellte eine Lohnsenkung auf den Mindestsatz von 7,25 Dollar erzwungen.
In der Vergangenheit hat man geglaubt, dass wirtschaftliches Wachstum alle Fehler ausbügeln werde. Diese Einstellung hat die USA genau dahin gebracht, wo sie heute stehen.
Mit freundlichen Grüßen,
Justice Litle
US-Redakteur Taipan




