Sind Blue Chips die neuen Banken?

16. August 2010

Das ‚D-Wort‘ ist zurück: Deflation. Angesichts dessen, was Deflation in Japan angerichtet hat, sollten Investoren besorgt sein. Während des langen Abschwungs ab 1990 hat der Nikkei mehr als 75% verloren und sich bislang noch nicht von dem Schlag erholt. Das ist, um es etwas vereinfacht zu sagen, der Grund dafür, warum Deflation schlecht ist.

Um die Mechanismen der Deflation zu verstehen ist es hilfreich, das Konzept der Liquiditätsfalle zu kennen. Der Begriff wird von Keynesianern verwendet um eine Situation zu beschreiben, in der die herkömmliche Geldpolitik wirkungslos bleibt. Man kann es sich als eine Wanne mit einem Loch vorstellen. Gleichgültig, wie viel Wasser in die Wanne gepumpt wird: Alles verschwindet in dem Loch.

Es sieht zunehmend danach aus, als seien Blue Chips in dieser Hinsicht die neuen Banken. Sie nehmen Unmengen an Kapital an sich und sitzen schlicht darauf. Es sind die neuen Liquiditätsfallen der Wall Street. Vergangene Woche hat IBM eine Anleihe mit einer Rendite von nur 1% herausgegeben. Dem Wall Street Journal zufolge ist das die niedrigste Rendite einer US-Unternehmensanleihe aller Zeiten. Würden Sie einem Unternehmen bei einem Zinssatz von 1% Geld leihen? Anscheinend tun es viele andere. Das Angebot war doppelt überzeichnet.

Investoren nehmen diese miserablen Renditen in Kauf, weil sie eine Deflation fürchten und ihr Geld in Sicherheit bringen wollen. Aber: Ist es nicht gut, wenn die Unternehmen so viel Geld haben? Dem Wall Street Journal zufolge haben US-Aktiengesellschaften inzwischen Barmittel und liquide Mittel im Umfang von 1,84 Bio. Dollar angehäuft. Gut, aber gleichzeitig sitzen sie auf Verbindlichkeiten von 7,2 Bio. Dollar. Da liegt also der Hund begraben.

Mit freundlichen Grüßen,

Justice Litle

Diesen Artikel weiterempfehlen ... Diesen Artikel weiterempfehlen ...

Einen Kommentar schreiben