Was ist mit den 70ern?
30. August 2010Bevor ich mich mit an dieser Stelle mit Hyperinflation beschäftigen werde, möchte ich mich einem Leserkommentar mit Bezug auf die 1970er zuwenden. Mark H. schrieb:
„Vielleicht sind Sie zu jung, um mit der Stagflation der 70er zu tun gehabt zu haben. Im Gegensatz zu mir. Es gab keine wirtschaftliche Erholung und als der Verbraucherpreisindex um 13% stieg, geschah dies nicht nur wegen der Ölkrise 1979. Es gab in der Tat eine generelle Inflation im Zusammenspiel mit einer stagnierenden Wirtschaft. Es kann also Inflation auch ohne Konjunktur geben.“
Mark hat Recht. Auch wenn meine Erinnerung an die 1970er größtenteils von der Sesamstraße geprägt ist, habe ich mich doch mit der US-amerikanischen Wirtschaftsgeschichte beschäftigt. Ich reagiere auf diesen hervorragenden Kommentar, indem ich auf das Buch ‚Secrets of the Temple: How the Federal Reserve Runs the Country‘ von William Greider beziehe. Abgesehen vom Ölschock könnte man in diesem Sinne argumentieren, dass die Inflation der 70er hauptsächlich durch stetige Lohnanstiege und spekulative Wirtschaftsaktivität verursacht wurde. In den 70ern
- stiegen die Löhne gemeinsam mit den Preisen
- hatten die Verbraucher noch vollen Zugang zu Krediten
- gab es eine tief verwurzelte Inflationsmentalität
- waren die Banken gewillt, die wirtschaftliche Entwicklung anzutreiben
Bemerken Sie den Unterschied zur heutigen Lage? Keine dieser Umstände trifft auf das Jahr 2010 zu. Die Löhne gehen zurück, während die Verbraucher Schwierigkeiten bei der Kreditaufnahme haben. Es gibt kein Inflationsbewusstsein. Und die Banken tun wenig, um der Wirtschaft zu helfen. Ich bleibe also im Wesentlichen dabei: Inflation beruht zumindest auf einem gewissen Anstieg der wirtschaftlichen Aktivität.
Mit freundlichen Grüßen,
Justice Litle
US-Redakteur Taipan




