Die Amerikaner blicken auf die falschen Banken
9. September 2010Ich wage zu bezweifeln, dass der Großteil der amerikanischen Investoren die europäischen Banken genau beobachtet. Nur wirklich spektakuläre Dinge ziehen die Aufmerksamkeit der meisten Anleger auf sich. Aber eine Sache hat diese Woche dann doch dafür gesorgt, dass die US-Anleger aufblickten. Und zwar hat das "Wall Street Journal" einen Artikel veröffentlicht, in dem die Meinung vertreten wurde, dass die europäischen Banken bei ihrem "Stress-Test" vielleicht etwas großzügig mit der Wahrheit umgegangen sind.
Nun, eigentlich war das "Wall Street Journal" mit seinem Artikel ein wenig spät dran, denn bereits im Juli hat das Finanzblatt "Barron's" darauf hingewiesen, dass beunruhigend viele europäische Banken den "Stress-Test" bestanden haben. Dabei wurde auch die Vermutung angestellt, dass diese "Stress-Tests" lediglich eine Art von Placebo für europäische Investoren gewesen seien. Aber es gibt keinen Grund mit dem Finger auf Europa zu zeigen.
In einem Interview mit CNBC hat Professor Nouriel Roubini davor gewarnt, dass über 400 US-amerikanische Banken in naher Zukunft vor dem Aus stehen könnten. Im bisherigen Jahresverlauf haben bereits 121 amerikanische Banken ihre Türen geschlossen. Rechnen wir dies auf das ganze Jahr hinauf, kommen wir auf 180 Banken. Vor diesem Hintergrund würde ich wirklich gerne wissen, warum schlechte Nachrichten aus der europäischen Bankenbranche für deutliche Kursrückgänge an der Wall Street sorgen, aber angesichts der Lage in den USA keine Panik ausbricht.
Mit den besten Grüßen,
Ihr Adam Lass
US-Redakteur Taipan




