Mittwoch-Rally an den US-Börsen abrupt gestoppt.
21. Juli 2006
Chip-Riese Intel mit dem schlechtesten Quartalsergebnis seit Jahren
So schnell geht das. Klinsmann als Bundestrainer ist Vergangenheit, der WM-Jubel in Deutschland ist verhallt und die Fahnen eingerollt. Unmittelbar nach der WM habe ich mich auf den Weg nach Südwestfrankreich gemacht, wo ich einige Woche im Jahr verbringe. Mein Eindruck: Auch hier ist der WM-Jubel natürlich vorbei, die Franzosen sind ja ohnehin sehr spät in die Gänge gekommen. Doch hier sind die Titelseiten voll mit Storys über Zidane. Die Franzosen haben dem Kapitän der französischen Fußball-Nationalmannschaft den spektakulären Kopfstoss im Endspiel gegen Italien längst verziehen. Zizou, wie er hier in Frankreich genannt wird, mutiert längst zum tragischen Helden, der die Ehre seiner Familie verteidigt. Selbst in Geschäften in Toulouse, Cahors und anderswo habe ich gedruckte oder selbst gemachte Plakate gesehen mit der Aufschrift „merci Zizou“. Das hat was. Ich glaube auch, dass der Name Zidane bleiben wird und sich schon bald kein Mensch mehr an den gefoulten Italiener erinnern wird.
Börsen reagieren nach 1-Tages Rally sofort mit Gewinnmitnahmen
Die Börsen haben leider ein noch kürzeres Gedächtnis – und so ein eleganter Übergang ist mir schon lange nicht mehr gelungen – zumindest hat die Freude über die bis Mittwoch gemeldeten Quartalszahlen nicht lange angehalten.
Schlechter Ausblick von Intel trübt die Börsenstimmung
Denn bis zur Mitte der Woche waren die bisherigen Quartalszahlen überwiegend solide. Apple Computers, Motorola und Nokia konnten sogar die Erwartungen der Analysten deutlich schlagen. Bei Motorola verbesserte sich zum Beispiel der Umsatz im 2. Quartal 2006 um 29%, der Gewinn schnellte aber um 48% nach oben. Doch dann kamen die Zahlen von Intel. Der weltweit größte Chipproduzent meldete den stärksten Gewinneinbruch seit mehr als 4 Jahren. Vor allem die zunehmende Konkurrenz und der daraus folgende Preisdruck verhagelte die Bilanz. Ein schlechtes Ergebnis aus der jüngsten Vergangenheit ist das eine – so etwas hakt die Wall Street normalerweise schnell ab, denn an den Börsen wird nun einmal die Zukunft gehandelt – und genau die fiel noch dramatischer aus als der starke Gewinneinbruch. Intel sah sich nämlich gezwungen, die Gewinnprognosen für das gesamte Geschäftsjahr zu senken.
Zinspolitik der US-Notenbank bleibt weiterhin schwer zu kalkulieren
Und ein solcher Ausblick wird an den Börsen gnadenlos abgestraft. Als Börsenschwergewicht belastet dies nur leider die gesamte Wall Street. Hinzu kamen zu den weiter anhaltenden geopolitischen Spannungen wegen der militärischen Auseinandersetzungen im Libanon konjunkturelle Befürchtungen. Auslöser war der Phily Fed Index, der Maßstab für die Aktivitäten im produzierenden Gewerbe im Großraum Philadelphia. Die Daten für Juni zeigten, dass sich der Phily Fed Index sich nur noch knapp im Wachstumsbereich bewegt. Doch Moment! Das müsste doch Ben Bernanke, dem bisher glücklos agierenden Chef der US-Notenbank gefallen. Denn eine sich abschwächende US-Konjunktur wäre für die Fed ein Grund, von weiteren Zinserhöhungen abzusehen. Die jetzt veröffentlichen Protokolle der letzten Fed- Sitzung, auf der eine weitere Zinserhöhung beschlossen wurde, lässt in der Tat genau diese Vermutung zu. Sie sehen, wie vorsichtig ich mich ausdrücke. Denn die Fed bleibt weiterhin ein schwer zu kalkulierender Faktor. Und die nächste Fed- Sitzung am 8. August rückt näher. Damit wird uns das gute-schlechte- Nachrichten-Spiel, das zur nervenden Wackel-Börse beiträgt den Sommer über erhalten bleiben – so wie die hohen Temperaturen, über die man offensichtlich auch in Deutschland klagt. Wobei hier im Südwesten Frankreichs beklagt man sich eigentlich nicht darüber, denn Temperaturen zwischen 37 und 40 Grad sind zu dieser Zeit nichts Ungewöhnliches. Über einen E-Mail- Newsletter, den ich von einem der größten Bonner Rechtsanwalts-Kanzleien beziehe, macht sich ein Arbeitsrechtler Gedanken darüber, ob Arbeitnehmer im Urlaub hitzfrei bekommen dürfen. Vielleicht sollte dieser Anwalt mal über eine Klimaanlage in seinem Büro nachdenken.




