Mini-1-Tages-Rallys werden sofort mit Gewinnmitnahmen beantwortet
28. Juli 2006Wall Street Anleger bauen Cash auf
Vielleicht befinden Sie sich ja gerade in Ihrem verdienten Sommerurlaub, liegen am Strand oder klettern in den Bergen. Vielleicht ist es genau das Beste, was Sie tun können. Denn dann bleibt Ihnen das nervende Jojo- Spiel an den Börsen erspart und Sie brauchen sich nicht darüber zu ärgern. Seit Tagen herrscht an der Börse das gleich Spiel: Morgens – also um 15.30 Uhr deutscher Zeit – startet die Weltleitbörse Wall Street aufgrund von guten Wirtschaftsnachrichten mit neuem Elan in den Tag – doch schon mittags lassen die Kräfte nach und Abends hat sich die kleine 1-Tages-Rally wieder komplett in Luft aufgelöst. Ein Auf- und Ab-Spiel, das nicht nur an den Nerven zerrt, sondern wo sich auch jeder fragt: Vielleicht verpasse ich ja gar nichts, wenn ich heute keine neue Positionen aufbaue, denn schon morgen könnte ich ja bessere Einstiegskurse bekommen.
Nehmen Sie ExxonMobil als Beispiel. Der Öl- Riese meldete gestern für das abgelaufene Quartal ein Gewinnwachstum von 35% auf 10,36 Mrd. US$. Die Erwartungen der Wall Street wurden mehr als deutlich geschlagen. Doch was macht der Aktienkurs von ExxonMobil? Er sackt ab. Dabei dürfte es nicht am Ölpreis liegen. Denn der hält sich mit 74,50 US$ aufgrund der weiter anhaltenden Krise im Nahen Osten weiter auf einem hohen Niveau. Und wie es aussieht, ist ein schneller militärischer Erfolg von Israel gegen die radikal-islamische Hisbollah im Südlibanon eine Illusion. Die Nachrichten, die dabei von den Israelis selbst gemeldet werden, erleichtern die ohnehin schwierige Richtungssuche für die Börsen nicht. Einerseits behauptet die israelische Armee, die Hisbollah sei schwer angeschlagen. Der Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, Meir Dagan sieht das aber ganz anderes und stellt sich öffentlich gegen das israelische Militär: Hisbollah sei nach wie vor dazu in der Lage, den Kampf auf dem bisherigen Niveau fortzusetzen – und das auf lange Zeit. Wenn der Mossad-Chef mit seiner Einschätzung Recht haben sollte, dann sterben nicht nur weiterhin unschuldige Zivilisten – über 600 sollen es nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums sein – sondern es besteht die Gefahr, dass die militärische Auseinandersetzung im Nahen Osten völlig außer Kontrolle gerät. Trauriges Beispiel ist der Tot von 4 Blau-Helm-Soldaten, deren Posten trotz Warnung der Uno von den Israelis beschossen wurde. Gleichzeitig können wir nur erahnen, zu was radikalislamische Kräfte in dieser aufgeheizten, hasserfüllten Situation noch fähig sind, anzurichten. Normalweise gilt an der Börse das Sprichwort „Politische Börsen haben kurze Beine“, will sagen: Der Einfluss ist nur von vorübergehender Natur – doch in diesem Fall überschattet es durchaus vorhandene positive Ansätze wie zum Beispiel gute Nachrichten vom amerikanischen Arbeitsmarkt. Die Wall Street hat längst begonnen, sich auf diese veränderte Situation einzustellen, indem sie abwartet und Cash aufbaut. Das erscheint mir zurzeit nicht die schlechteste Strategie zu sein – zumindest schon es die Nerven.




