Heftige Korrekturen an der Wall Street sind gestoppt
26. Juni 2006
Zinserhöhungsängste schwächen sich ab
Amerikanismen gibt es viele in der deutschen Sprache, also amerikanische Begriffe, die man ins Deutsche übernommen hat. Aber umgekehrt? Ganz wenige. Seit Jahren bekannt ist: kindergarten. Das haben die Amerikaner in der Tat übernommen. Doch jetzt habe ich dazugelernt. „After a month of angst over inflation and interest rates“, habe ich jetzt in einem Wall Street Kommentar gelesen. „Nach Monaten der Angst vor Inflation und Zinsen.“ Es war das beherrschende Thema im katastrophalen Börsenmonat Mai. Nur damit Sie sich die Dimension der heftigen Korrektur noch einmal vor Augen halten. Der Dax hat im Mai 5,92% verloren, der Nasdaq 5,67%. Wenn Sie die Höchststände von Mitte Mai nehmen, vergrößert sich der Verlust sogar auf 6,96% bzw. 7.08%. Und wir reden hier nicht über eine Einzelaktie, sondern einen kompletten Index.
Ölpreis reagiert sofort auf US-Angebot zu Verhandlungen…
Jetzt können Sie auch nachvollziehen, weshalb wir in der Korrektur im großen Stil keine neuen Positionen aufgebaut haben. Doch könnte die Korrektur vor einem Ende stehen. Dabei hatte die Wall Street in den letzten beiden Tagen ein ganzes Bündel an Nachrichten zu verdauen. Die vielleicht wichtigste lieferte die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice. Sie hat angekündigt, dass die USA zusammen mit anderen Staaten bereit seien, direkt mit dem Iran zu verhandeln. Natürlich nur unter bestimmten Bedingungen. Doch an der Wall Street hatte das sofort Auswirkungen. Die Öl-Futures fielen sofort um 1,63 US$ auf 70,40 US$ pro Barrel. „Diese Iran-Nachricht ist definitiv der Auslöser für den Anstieg der Aktienmärkte“, formuliert es Brian Wiliamson, Trader bei Boston Company Asset Management. Denn ein fallender Ölpreis führt dazu, dass der Druck auf die Preissteigerungsraten nachlässt. Kurzfristig gab es weitere Entlastung für den Ölpreis, da die Lagerbestände höher ausfielen als erwartet. Außerdem hat die Opec einen Antrag von Venezuela abgelehnt, die Förderquoten zu kürzen. Zumindest der psychologisch-geopoltisch bedingt Aufschlag auf den Ölpreis hat sich jetzt etwas reduziert.
..doch der nächste Hurrikan steht schon vor der Tür
Das ist eine gute Nachricht, die von den Aktienmärkten auch so aufgenommen wurde. Allerdings sehe ich hier überhaupt kein Grund für Euphorie. Denn auch wenn die Amerikaner jetzt direkte Verhandlungen mit dem Iran für möglich halten, heißt das noch lange nicht, dass es auch tatsächlich zu Verhandlungen oder sogar einem Verhandlungsergebnis kommt. Denn in welcher geistigen Verfassung der iranische Präsident ist, konnte man in diesen Tagen in einem Spiegel-Interview nachlesen. Worauf ich hinaus will: Auch wenn dies erste wichtige Schritte sind, um diese geopolitische Krise zu entschärfen, wird sie uns noch weiter erhalten bleiben und damit die Aktienmärkte belasten können. Und was den Ölpreis anbelangt: So steht nicht nur die Urlaubs-, sondern auch die Hurrikan-Saison vor der Tür.
Welche Auswirkungen die gestiegenen Energiepreise auf die US-Automobilindustrie hat, war gestern eine der vielen Konjunkturdaten, die gemeldet wurde. Die Absatzzahlen im brachen regelrecht ein: Das ohnehin angeschlagene Flagschiff General Motors verkaufte 12% weniger Autos, DaimlerCrysler 11%. Erstaunlich gut mit einem Absatzrückgang von 1,9% hielt sich Ford. Das die amerikanischen Verbraucher den Trend zu kleineren, spritsparenden Autos erkannt haben, sehen Sie am japanischen Autokonzern Toyota, die im Vergleich zu den US-Konkurrenten ein sattes Umsatzplus von 17% im Mai verbuchen konnten.
Moderates Wachstum für die Aktienmärkte am Besten
Mit anderen Worten: Die amerikanischen Verbraucher sind weiterhin bereit, Geld auszugeben. Und das führt zu der wichtigsten Frage: Wie schnell wächst die amerikanische Wirtschaft? Denn davon hängt ab, wie wahrscheinlich Zinserhöhungen aufgrund steigender Inflationsraten sind. Der Ölpreis ist dabei nur ein Faktor von vielen. Am liebsten wäre der Wall Street eine US-Wirtschaft, die nicht zu schnell wächst, um weitere Zinserhöhungen zu provozieren, aber auch nicht zu langsam, was die Unternehmensgewinne schmälern würde. Offensichtlich haben die teilweise widersprüchlichen Konjunkturnachrichten der letzten beiden Tage genau den Geschmack der Wall Street getroffen. Zum einen lag der Einkaufsmanagerindex etwas unter den Erwartungen, was auf ein geringeres Wachstum hindeutet. Zum anderen stieg die Produktivität stärker, während die Lohnstückkosten weniger drastisch zunahmen. Das wiederum mildert die Ängste vor weiteren Zinserhöhungen. Die äußerst heftige Korrektur an der Wall Street scheint jedenfalls fürs erste gestoppt zu sein. Jetzt ist wieder Zeit zum Traden. Sobald auch von der Charttechnik eine Entwarnung gibt, werden wir sowohl für das Position- als auch für das Blitz-Depot neue Positionen aufbauen bzw. alte verkaufen. Wichtig ist jetzt, dass vor allem die US-Arbeitsmarktdaten heute nicht schlecht ausfallen. Und damit bin ich auch schon der wichtigen Neuerung für Sie, die wir auf unserer Internetseite bereits angekündigt haben. Damit Sie in Zukunft noch besser gemäß Ihrer Anlegermentalität traden können, haben wir unsere Trading-Strategie weiter verfeinert und in zwei verschiedene Depots aufgeteilt. Die genauen Erläuterungen können Sie unter www.wall-street-radar.de nachlesen.




