Massiver Ausverkauf an den weltweiten Börsen hält an –
19. Mai 2006
-schneller Rebound jedoch möglich
Bin ich froh, wenn jetzt bald Wochenende ist! Nicht nur wegen eines alten Saint Emillion Grand Cru, der heute Abend aufgemacht wird (ich geb’s zu, ich habe doch noch etliche Flaschen im Weinkeller gefunden). Nein, ich möchte jetzt für 2 Tage erst einmal nichts mehr mit Börse zu tun haben. Mein Börsenkollege Daniel Wilhelmi hat es gestern in seiner Ausgabe vom Profit Radar sehr gut beschrieben: „ Ich kann mein Depot nur noch anschauen, wenn ich eine Sonnenbrille aufhabe, so brennt die rote Farbe derzeit.“ Dax, Mdax, TechDax, Nikkei, Dow Jones und Nasdaq – welchen Index Sie auch nehmen, jeder hat innerhalb weniger Tage einen scharfen Abwärtstrend ausgebildet. Der Dax hat über 600 Punkte eingebüßt hat. Der Nadaq hat sämtliche Jahresgewinne wieder abgegeben.
Wall-Street-Radar Depot mit wenigen offenen Positionen zahlen sich jetzt aus
Zum Glück haben wir mit derzeit 5 offenen Positionen sein sehr kleines Depot im Vergleich zu 14 verkauften Aktien. Davon wurde übrigens 9 mit Gewinn verkauft. Das entspricht einer Erfolgsquote von über 64%. Natürlich sind wir damit nicht zufrieden, auch wenn uns natürlich bekannt ist, dass bei Fondsmanagern ein Verhältnis von 60:40 bereits als großer Erfolg verbucht wird, und sich unsere Performance in diesen Zeiten durchaus sehen lassen kann. Fakt ist, dass die meisten von Ihnen durch unsere zurückhaltende Strategie eine hohe Cash-Quote haben dürften, die sich jetzt als Vorteil herausstellt. Und damit sind Sie eher die Ausnahme. Denn die bekannte Börsenregel „Sell in may und go away“wurde in diesem Jahr komplett auf den Kopf gestellt. Das angesehene Handelsblatt titelte sogar „Stay in may“. Die meisten Anleger sind offensichtlich diesem Motto gefolgt und haben zu steigenden Kursen immer weiter ihr Depot aufgestockt.
Überspekulation wird jetzt abgebaut
Ein Teil der jetzigen massiven Korrektur ist mit Sicherheit auf diese –nennen wir es gier-getriebene – Überspekulation zurück zu führen. Insofern ist diese Korrektur durchaus normal und auch gesund. Was mich daran nur erstaunt, ist die Schnelligkeit und Heftigkeit, mit der die Stimmung umgekippt ist. Ich habe jetzt eine Statistik gelesen, die mich wirklich stutzig macht: Das Put-Call-Ratio in den USA befindet sich auf einem Rekordniveau!
Beunruhigende Rekordzahl
Ich will es Ihnen kurz erklären. Diese Größe gibt das mengenmäßige Verhältnis der gehandelten Verkaufsoptionen (Puts) zu den gehandelten Kaufoptionen (Calls) wieder. Was daran so beunruhigend ist: Weder nach den Anschlägen in Madrid oder denen des 11. September 2001, weder vom Beginn des Irak-Kriegs noch bei der Tsunami-Katastrophe war das Put-Call-Ratio auf diesem Rekordniveau. Doch jetzt hatten wir keine Anschläge in New York oder Madrid, die Amerikaner haben auch nicht den Iran überfallen und eine neue Riesenwelle ist auch nicht in Sicht.
Gegenreaktion wird kommen - nur wann?
Wenn ich jetzt die Kommentare an der Wall Street lese, dann wird als Grund für den Kursrutsch an den Börsen überwiegend die Angst vor der Inflation und weiter steigenden Zinsen angeführt. Ich hatte Sie an dieser Stelle bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass der Chef der amerikanischen Notenbank, Ben Bernanke, bisher eine wenig glückliche Figur gemacht und die Märkte eher enttäuscht hat. Das alles mag seinen Teil zur Korrektur beigetragen haben. Kann ich auch nachvollziehen, denn steigende Zinsen bedeuten, dass die einem höheren Risiko unterliegenden Aktien gegenüber Anleihen unattraktiver werden. Ergebnis: es wird Kapital aus den Aktienmärkten abgezogen.
Es gibt gute Gründe für die Korrektur - aber gleich so heftig?
Aber eine derartig heftige Reaktion? Selbst wenn ich alle nachvollziehbaren Gründe zusammenrechnen reicht mir das als Begründung für einen derart heftigen Ausverkauf nicht aus. Um ganz ehrlich zu sein: Panikverkäufe habe ich in den mittlerweile 11 Jahren als Taipan-Chefredakteur und den 7 Jahren als Trader-Chefredakteur immer wieder erlebt – aber eine emotionale Überreaktion wie diese jetzt ganz selten. In den ersten Kommentaren, die ich gerade eben aus New York erhalte, mehr sich die Stimmen, die von einer Gegenreaktion ausgehen. Hm, was soll ich davon halten? Schon gestern hat es an den US-Börsen als Weltleitbörsen erste Ansätze einer Gegenreaktion im frühen Handel gegeben, die dann in den späten Handelsstunden völlig untergegangen sind. Wenn ich mir jedoch vor Augen halte, wie viele institutionelle Anleger jetzt auf fallende Kurse gesetzt haben – sei es durch Puts oder Short-Positionen – dann kann ich mir vorstellen, dass ein technischer Rebound, eine Gegenreaktion, sehr schnell kommen wird. Ich kann Ihnen aber nicht die genaue Uhrzeit versprechen. Doch eins ist sicher: Wir werden in den nächsten Tagen die Märkte genau beobachten und dann in den möglichen Rebound hinein fundamentale starke Werte kaufen, die jetzt ausgebombt worden sind.




