US-Börsen können Abwärtstrend der letzten 2 Wochen stoppen –
26. Mai 2006
- langsam kehrt Vertrauen zurück
Wir reiben uns verwundert die Augen. War’s das schon? Und war das der wirkliche Grund? Der Auslöser für die heftigen Panikverkäufe, die Dow, Dax, Nikkei und so gut wie jede Börse rund um den Globus massiv belastet haben? Mein Börsenkollege Daniel Wilhelmi musste letzte Woche noch eine „Sonnebrille“ aufsetzen, da auch in seinem Depot „die rote Farbe so brennt“. Jetzt kann er die Sonnenbrille absetzen. Denn Dow Jones und Nasdaq haben zum ersten mal seit 2 Wochen den kurzfristigen Abwärtstrend gestoppt und zu einem Rebound angesetzt. Nach dem Aderlass der letzten Zeit konnte die Wall Street wieder etwas Vertrauen gewinnen. Zunächst einmal hat sich Ben Bernanke, der als neuer Chef der amerikanischen Notenbank zuletzt in die Kritik geraten ist und der für entstandenen Turbulenzen verantwortlich gemacht wurde, zu Wort gemeldet. Und zwar mit einer ungewöhnlichen Entschuldigung: „Diese Episode war ein Lapsus meinerseits. Das werde ich nicht wiederholen“, sagte er bei einer Anhörung vor dem Bankenausschuss des Senats. „In Zukunft wird meine Kommunikation mit der Öffentlichkeit und den Märkten voll und ganz über die regulären Kanäle laufen.“ Das ist schon mal ein erster Schritt.
FED-Chef Bernanke entschuldigt sich
Doch es trifft das eigentliche Problem nicht. Denn die Märkte verlangen noch einer klaren Lenkung, und die kann Bernanke nicht liefern. Stephan Rieke, Volkswirt der BHF Bank bringt es auf den Punkt: „Die Signale, die die Fed von der Konjunktur- und Inflationsfront bekommt, sind widersprüchlich. Da kann sie selbst kein klares Signal bieten.“ Hinzu kommt, dass die Erwartungen an die Fed sehr unterschiedlich sind – Drahtseilakt, an dem sich so schnell nichts ändern wird. Und das hat nicht nur damit zu tun, dass Bernanke nicht die Autorität hat wie Vorgänger Greenspan. Vielleicht machen es sich „die Märkte“ aber auch zu einfach, indem sie von einer Person etwas verlangen, was angesichts der Komplexität der Märkte – von geopolitischen Risiken, über Ölpreisanstieg bis hin zu Inflationssorgen und Abkühlung des US-Hausmarktes – überhaupt nicht zu leisten ist. Denn es lenkt nur von der eigenen Orientierungslosigkeit ab.
Solides US-Wirtschaftswachstum genau in der Mitte der Erwartungen
Zumindest ein neuer Report der US-Regierung, der gestern veröffentlicht wurde, kann ein wenig Orientierung geben. Das BIP der weltgrößten Volkswirtschaft stieg im 1. Quartal nämlich mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von 5,3%. Und jetzt passen Sie auf, denn die Wall Street steht auf solche Zahlenspiele. Die 5,3% BIP-Wachstum liegen deutlich über den ersten Schätzungen von 4,8%, aber unten den zuletzt geäußerten Erwartungen. Das ist doch prima. Denn das sieht nach einem soliden Wirtschaftswachstum aus, jedoch nicht so viel, dass man sich wegen einer Überhitzung Sorgen machen müsste.
Punktlandung : Persönlicher Verbrauch schafft wieder Vertrauen an der Wall Street
Für die übernervösen Investoren-Gemüter an der Wall Street ist deshalb auch eine zweite Zahl mindestens genauso wichtig. Denn der Index für den persönlichen Verbrauch, in dem Lebensmittel und Energie nicht enthalten sind, stieg im 1. Quartal um 2%. Und das entspricht genau den Erwartungen. Wenn das nicht Vertrauen schafft! Und dann kommt auch noch eine spannende Nachricht aus dem Technologie-Sektor hinzu. Yahoo und eBay wollen sich gegen Suchmachinen-Giganten Google verbünden. Gestern wurde ein umfassenden strategische Allianz bekannt gegeben. Dabei dringt man nicht nur massiv in das Kerngeschäft von Google sein, das Anzeigengeschäft, sondern will auch weitere Projekte wie zum Beispiel Internettelefonie entwickeln. Der Nasdaq und damit vor allem Small Caps haben diese Nachricht positiv aufgenommen.




