Zinspause verpufft an den US-Börsen, Wall Street von Philly Fed Daten geschockt
22. September 2006Macht der Börsenmonat seinem historisch schlechten Ruf doch alle Ehre? Am Dienstag kam die von vielen erwartete Entscheidung der amerikanischen Notenbank, dass die Zinsen unverändert bleiben. Der Nasdaq setze seine Rallye fort und konnte sogar auf 2.260 Punkte klettern – das ist zwar noch weit vom Jahreshoch im Mai bei 2.375 Punkten entfernt, aber immerhin: die eingeschlagene Richtung stimmt und von einem schlechten Börsenmonat September war entgegen aller Statistiken bisher nichts zu spüren. Doch gestern kam der Schock, der die Wall Street völlig unerwartet traf. Wie stark– das können Sie auch an unserer neuen Trader-Empfehlung Comtech Telecommunication erkennen. In der Vorbörse wurde die Aktie teilweise unter hohem Volumen bis auf 35,70 US$ getrieben. Aus diesem Grund haben wir das Kauflimit auch leicht über den Schlusskurs vom Vortag auf 35,06 angehoben. Es sah nach einem klaren Ausbruch über die Marke von 35,00 US$ aus und wir hatten schon befürchtet, wie unsere Trader- Empfehlung Cryolife nicht zum Zug zu kommen, die Anfang September innerhalb von wenigen Tagen von5,80 US$ auf 6,90 US$ absolut davon gelaufen ist. Doch schon in der Eröffnung deutete sich die schlechte Nachricht an. Unser erhöhtes Kauflimit wurde zu tiefen 33,69 US$ ausgeführt. Doch selbst das war noch zu hoch. Denn Comtech und mit ihr die gesamte Wall Street sackte richtig ab. Auslöser war der viel beachtete Report über den Philly Fed Index, der über die Aktivitäten im verarbeitenden Gewerbe in der Region Philadelphia berichtet. Dazu müssen Sie wissen, dass der Philly Fed Index als Vorindikator für den nationalen Index angesehen wird und deshalb als Gradmesser für die gesamte Verfassung der Wirtschaft. Die Erwartungen lagen bei einem Indexstand von 13 Punkten. Doch diese Erwartungen nicht nur unterboten, sie wurde geradezu grandios verfehlt. Der Philly Fed Index notiert bei –0,4 Punkten. Damit rutscht dieser wichtige Vorlaufindex zum ersten Mal seit 3 Jahren ins Minus. Damit hatte an der Wall Street keiner gerechnet, entsprechend geschockt waren auch die Reaktionen. Selbst fundamental solide Aktien wurden in den Boden geprügelt, man spricht von einem „selloff“, was so viel wie Ausverkauf heißt. Zum Glück konnten Sie vor mit Supertex eine Aktie aus dem Blitz-Depot mit einem akzeptablen Kursgewinn von 5,25% verkaufen. Jetzt liegt die Aktie über 2% unter unserem Verkaufskurs. Schlagartig nehmen an der Wall Street jetzt die Sorgen zu, dass sich die US-Wirtschaft doch stärker abkühlen könnte als erwartet, vor allem vor dem Hintergrund eines schwachen US-Immobilienmarktes. Vor diesem Hintergrund bestätigt sich nun, dass es richtig war, die Zinsen unverändert zu lassen. Denn eine Erhöhung wäre absolut kontraproduktiv. Nach dem Philly Fed Report dürfte das Thema Zinserhöhung jetzt bis zum Jahresende vom Tisch sein. Und das ist vielleicht die gute Nachricht, die nur gestern an der Wall Street kein Mensch hören wollte. Es gibt aber auch Stimmen, und auch die wollte gestern zunächst keiner hören, die besagen, dass die gestrige Reaktion völlig übertrieben war: „Auch wenn das verarbeitende Gewerbe jetzt schwächer liegt, die Grundperspektive ist doch weiterhin sehr positiv“, so Dan Jester, Volkswirt bei Moody’s Economy.




