Aktienmärkte liefern noch kein klares Einstiegssignal
3. August 2007
Gerüchte sind nun einmal Gerüchte. Das Gemeine daran: Man kann sie nicht überprüfen. Doch vielleicht ist es wie mit Politikern und Firmensprechern , die nach jedem Störfall in einem Atomkraftwerk weiterhin behaupten: “Für die Bevölkerung bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung. ”Je mehr ein Gerücht dementiert wird, desto wahrscheinlicher ist es.
In diesem Fall geht es aber nicht um brennende AKWs, sondern um die Frage, ob jetzt auch deutschen Firmen von der Subprime-Krise in den USA betroffen sind. Da uns dieses Thema schon mehrfach in diesem Jahr beschäftigt und für teilweise erhebliche Kursturbulenzen gesorgt hat, will ich hier auf die Hintergründe nur kurz eingehen: In der Vergangenheit sind in den USA im großen Stil schlecht abgesicherte Immobilienkredite an Personen vergeben wurden, die eigentlich nicht kreditwürdig waren (man nennt dies Subprime). In Zeiten historisch niedriger Zinsen konnten man solchen Personen eben schnell mal einen Kredit aufschwatzen. Das Dumme ist nur: In der Regel sind die Zinsen solcher Kredite variabel. Und wer ohnehin schon knapp kalkuliert, kann sich auch leicht steigende Zinsen nicht mehr leisten. Wenn man dann gezwungen ist, sein hoch verschuldetes Haus zu verkaufen –wie Sie wissen, sinken die Immobilienpreise in den USA – bleibt immer noch auf einem Schuldenberg sitzen und kann nicht mehr zahlen. Das verursacht in den USA bei immer mehr Banken Schieflage.
Und jetzt schwappt die Subprime- Welle auch nach Deutschland. Gerüchte sprechen davon, dass die Industriekreditbank Kreditausfälle in Höhe von 3,5 Mrd. — zu verzeichnen hat (die Marktkapitalisierung beträgt ein Drittel davon!). Genau lässt sich der Schaden nicht beziffern, auffällig ist jedoch, dass der Vorstandschef abgelöst worden ist.
Verunsicherung hält an
Doch das Gerüchtekarussell dreht sich weiter. Nach der Industriekreditbank, die extra einen Subprime-Fonds aufgelegt hat, kursieren Gerüchte, dass die Depfa Bank ebenfalls von Kreditausfällen in den USA betroffen sein könnte. Die Depfa hat übrigens schon dementiert. Auch wenn sofort Großbanken wie die Deutsche Bank und BNP Paribas verlauten ließen, dass man von der Subprime-Krise in den USA nicht betroffen sei, hat das nicht geholfen. Die Anleger sind weiter verunsichert. Es drängt sich vielmehr die Vermutung auf, dass die Konsequenzen der Kredit-Krise noch überhaupt nicht absehbar sind. Verharmlosung ist also nicht angebracht. Solange dies der Fall ist, wird sich die Berg- und Talfahrt an den Börsen auch fortsetzen. Der Nasdaq hat von seinem Hoch bei 2.724 Punkten mittlerweile einen scharfen Abwärtstrend ausgebildet. In den vergangenen Tagen hat er immer wieder Ansätze einer Erholung gezeigt. Doch kleinste Kursanstiege wurden sofort wieder verkauft. Zum Glück haben wir bereits vorher verkauft und sämtliche Positionen aus dem Basis-Depot glatt gestellt. Lediglich der Biotech-Wert Exelixis aus dem spekulativeren Blitz- Depot ist durch die heftige Korrektur mit einem Verlust ausgestoppt worden. So können Sie diese hektische Phase aktuell recht beruhigt von der Seitenlinie aus und beobachten, ohne das Risiko einzugehen, unter die Räder zu geraten. Sobald sich die Aktienmärkte wieder beruhigen, werden wir wieder mit ausgesuchten Qualitätswerten zuschlagen. Jetzt ist nicht die Zeit, höhere Risiken einzugehen. Denn noch liefern die Aktienmärkte auch von der Charttechnik kein klares Einstiegssignal. Das kann sich aber bald ändern. Denn in der Zwischenzeit deutet sich längst an, dass die USA die Talsohle durchschritten haben. Das BIP wuchs im zweiten Quartal um deutliche 3,4%, was nicht gerade wie eine lahmende Konjunktur aussieht.




