Dow Jones rutscht nach Iran-Meldung deutlich ins Minus, Nasdaq noch unbeeindruckt

23. Februar 2007

Das sah nach einem guten Start aus. Die ersten Indikatoren der Vorbörse deuteten auf steigende Kurse hin. Und so war es zu Handelsbeginn auch. Überall nur grüne Pfeile auf meinen Realtime- Handelsmonitoren – wenn Sie den Portraitfilm letzten Freitag in der 3satBörse über Taipan und mich als Taipan-Chefredakteur gesehen haben, dann wissen Sie, wie mein Arbeitsplatz aussieht. Doch dann passierte etwas, womit offensichtlich keiner gerechnet hat bzw. was in den letzten Wochen und Monaten in den Hintergrund gerückt ist: Es ist da, was wir als geopolitische Risiken bezeichnen. Gemeint ist natürlich der Iran. Der Iran hat das Ultimatum der Vereinten Nationen nicht nur verstreichen lassen, sondern die Urananreicherung sogar noch weiter ausgeweitet. Unmittelbar nachdem diese Meldung über die Ticken liefen, wandelten sich die grüne Pfeile auf meinen Monitoren in tiefrote. Sofort sackte der Dow Jones ab. In Gesprächen mit Lesern und auch mit Mitarbeitern der 3satBörse habe ich immer wieder betont, dass ich den Eindruck habe, dass der Aktienmarkt nur nach einem Argument sucht, um auszusteigen. In der Financial Times wurde die Situation gestern so kommentiert: “Es ist Zeit, Gewinne mitzunehmen.” Nun, ist es nach der Iran-Meldung von gestern schon so weit? Auch in den USA ist das umstritten. Der Chef-Stratege eines US-Brokers formuliert es zum Beispiel so: “Der Aktienmarkt bleibt noch in einem Aufwärtstrend.” Allerdings: “Viele technische Indikatoren sind schon überzogen.” Der Chief Investment Officer einer großen Vermögensgesellschaft betont, dass es einen “tatsächlichen Mangel an guten Nachrichten gibt, um den Markt nach oben zu bewegen.” Und: “Fragen Sie sich doch selbst: Warum soll ich jetzt kaufen?” Dennoch will er aber die aktuelle Korrektur im Dow nicht überbewerten, denn insgesamt hält er die US-Konjunktur für gesund. Wenn man sich die charttechnische Verfassung des Nasdaq anschaut, dann bestätigt sich diese Einschätzung. Denn der Nasdaq hat sich von den Entwicklungen im Irak völlig unbeeindruckt gezeigt, was schon erstaunlich ist. Denn gleichzeitig ist der Ölpreis wieder auf knapp 61 US$ gestiegen, die Lagerbestände in den USA fielen unerwartet niedrig aus und dann gibt es auch noch Spannungen im wichtigen Ölförderland Nigeria. Geholfen haben dem Nasdaq eine Reihe von positiven Nachrichten vor allem aus dem Chip-Sektor. Eine Reihe von Chip-Werten wie zum Beispiel Analog Devices, Texas Instruments oder National Semiconductor wurden von Analysten aufgrund des starken Gewinnwachstums heraufgestuft. Doch jetzt kommt die Meldung, dass der Softwarekonzern Microsoft eine Milliardenstrafe zahlen muss, da es Patente verletzt haben soll. Gestern ist Microsoft noch um 0,14% gestiegen. Das dürfte heute anders aussehen.

 

 

 

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