Nach dem China-Schock kommt jetzt der Zins-Schock – weltweite Kursverluste

8. Juni 2007

So schnell geht es an den Börsen. Letzte Woche war noch Euphorie, diese Woche herrscht Katzenjammer. Die internationalen Börsen haben den „China-Schock“ mit seinen teilweise fast irrationalen Schwankungen der chinesischen Innlandsbörsen gut verdaut und letztendlich als das eingestuft, was es auch ist: Eine längst überfällige Reduzierung der immensen Überbewertung und Überhitzung der chinesischen Börsen, an denen im großen Stil mit kredit-finanziertem Geld spekuliert wird. Nach anfänglichen Irritationen haben die internationalen Börsen keine Gefahr für eine Domino- Welle von Shanghai über Tokio bis Frankfurt und New York gesehen. Doch was in den letzten 3 Tagen passiert ist, hat mit dem „China-Schock“ nichts zu tun. Hier hat sich in den USA eine neue Entwicklung ergeben, die auf den ersten Blick völlig paradox klingt, schlimmer noch: mit der die Wall Street überhaupt nicht gerechnet hat. Nur so sind die massiven Abschläge der letzten Tage zu erklären. Wir reden hier immerhin über einen Abschlag von rund 400 Punkten beim Dow Jones. Das ist schon heftig. Im Vergleich dazu haben sich unsere Trader- Werte übrigens sehr wacker geschlagen, allen voran der Sicherheits- und Überwachungsspezialist American Science & Engineering, mit dem Sie sogar noch über 4% im Plus liegen. Die Aktie hat kaum abgegeben.

 

Die Wall Street ist völlig auf dem falschen Fuß erwischt worden

 

Anders jedoch die Gesamtmärkte. Auslöser für die massive Korrektur sind Befürchtungen, dass die Zinsen in den USA doch wieder steigen. Dies ist schon sehr erstaunlich. Denn lange war der bröckelnde Immobilienmarkt das Sorgenkind, weshalb auch das gesamtwirtschaftliche Wachstum schwächer ausfallen sollte. Jetzt stehen wir vor einer ganz anderen Situation. Die Arbeitsmärkte sind deutlich besser ausgefallen als erwartet, ebenfalls wichtige Konjunktur- Indikatoren wie der Einkaufsmanager- Index. Der Chef der amerikanischen Notenbank Ben Bernanke hat diese Woche vor einem sich stabilisierenden Wachstum gesprochen, gleichzeitig aber auch an die weiter bestehende Inflationsgefahr erinnert. Als ob Bernanke darauf gewartet hätte, wurden auch prompt die Daten für die Lohnstückkosten, einem der wichtigsten Indikatoren für die Inflation, veröffentlicht. Aufs Jahr hochgerechnet stiegen die Lohnstückkosten um 1,8%, was 3-mal höher ist als vor einem Jahr. Während Bernanke „bislang keine bedeutenden Auswirkungen der Häusermarktschwäche auf andere Wirtschaftszweige“ feststellt, sieht er bei der Inflation „nach wie vor Aufwärtsrisiken“. Das bedeutet: Wir reden in diesem Jahr nicht mehr über Zinssenkungen, sondern möglicherweise sogar über Zinserhöhungen. Damit hat in den USA keiner gerechnet. Vielmehr hat sich der Markt auf eine Zinssenkung eingestellt. Entsprechend enttäuscht haben die Aktienmärkte deshalb reagiert. Jan Hatzius, Chefvolkswirt bei Goldman Sachs hat schon reagiert: „Wir nehmen die Prognose einer Zinssenkung der Notenbank im Jahr 2007 zurück.“ Bei höheren Zinsen wird Geld aus Aktien in risikoärmere Anleihen umgeschichtet, gleichzeitig müssen sich sowohl Verbraucher als auch Unternehmen zu höheren Kosten verschulden. Das versuchen die Aktienmärkte derzeit einzupreisen. Rechnen Sie für die nächsten Tage deshalb mit weiteren Turbulenzen. Wenn die US-Konjunktur aber doch schneller als erwartet wachsen sollte, so wie es jetzt aussieht, werden sich die Aktienmärkte auch schnell wieder beruhigen.

 

Diesen Artikel weiterempfehlen ... Diesen Artikel weiterempfehlen ...

Einen Kommentar schreiben