US-Börsen halten sich trotz China-Schock – Trader-Werte ziehen gut an
1. Juni 2007Letzte Woche war es der 81-jährige Alan Greenspan, der frühere Chef der amerikanischen Notenbank, der vor einem „dramatischen Einbruch“ an den chinesischen Börsen gewarnt hat. Und diese Woche kam es dann in der Tat zu einem Einbruch. Bis zu 9% knickten die chinesischen Festland- Börsen, die ausschließlich den Chinesen vorbehalten sind, ein. Doch von den internationalen Anlegern wurde der Kursrutsch diesmal nicht als „dramatisch“ empfunden. Nach kurzen Turbulenzen von Tokio über Frankfurt bis New York zogen die Indizes wieder an. Auslöser für den deutlichen Kursrückgang an den chinesischen Börsen war die völlig überraschende Ankündigung der chinesischen Regierung, die Transaktionssteuer auf Käufe und Verkäufe von Aktien praktisch über Nacht um das 3-fache anzuheben. Auch wenn sich das auf den ersten Blick sehr hoch anhört, reden wir nur über Steuern in Höhe von 0,3%, vorher war es 0,1%. Vor dem Hintergrund von Sparbuchzinsen in Höhe von etwa 3%, auf die auch noch eine Steuer von 20% erhoben wird, ist es kein Wunder, dass immer mehr spekulatives Geld in den chinesischen Aktienmarkt drängt. Das ist das große Problem, vor dem auch Alan Greenspan gewarnt hat. Zum Glück versucht die chinesische Regierung jetzt dagegen zu steuern. Und im frühen Handel heute morgen lagen die chinesischen Indizes zwischen 3% und über 6% im Minus.
Chinesische Börsen bauen immense Überhitzung ab
Was hier jetzt abgebaut wird, ist eine grandiose Überbewertung. Die chinesischen Festlandbörsen sind schlicht zu teuer. Nur zum Vergleich: Mit einem KGV von über 20 ist der gesamte chinesische Aktienmarkt wesentlich teurer als eine Einzelaktie wie der Ölsucher Dawson mit einem KGV von 14 (auf Basis der Gewinnschätzung für 2008). Jetzt wissen Sie auch, warum die internationalen Börsen den China-Schock als nicht so dramatisch empfunden haben. Der legendäre Fondsmanager Mark Mobius hält sogar eine Korrektur von 30% für gesund.
Schwaches BIP-Wachstum stört nicht
Die US-Börsen befinden sich hingegen weiter in Rally-Laune, allerdings zeigt sich auch deutlich, dass der Jubel in den letzten beiden Handelsstunden deutlich nachgelassen hat. Zum einen müssen natürlich die jüngsten Rekordstände beim Dow Jones und auch beim S&P 500 Index erst einmal verdaut werden, zum anderen gab es Konjunkturnachrichten, die schwach ausgefallen sind. Das BIP-Wachstum in den USA lag mit 0,6% deutlich unter der von der Regierung erwarteten Zuwachsrate von 1,3%. Nun, warum kam es trotzdem nicht zu einem Kursrückgang an den US- Börsen? Viele Analysten hatten aufgrund des Handelsbilanzdefizits und geringer Unternehmensinvestitionen damit gerechnet. Außerdem haben gerade in den letzten Wochen die US-Unternehmen massiv ihre Lagerbestände abgebaut, was darauf hindeutet, dass die Wirtschaftsaktivität in der 2. Hälfte wieder anzieht. Und es gab natürlich auch noch Daten vom Arbeitsmarkt, die immer mit Spannung erwartet werden. Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung fielen in der letzten Woche um 4.000 auf 310.000. Darüber hinaus dreht sich in den USA weiter das Übernahmekarussell. Die US-Bank Wachovia will die Investmentbank Edwards für fast 7 Mrd. US$ übernehmen – der größte Deal seit 7 Jahren. Das weckt natürlich die Phantasie auf weitere Übernahmen – nicht nur im Bankensektor. Die Aktionäre können sich freuen, manche Arbeitnehmer eher nicht.




