Keine Lohnanstiege: Eine Ausrede für mehr Inflation?

27. April 2011

Heute werden sich unsere Freunde von der Fed wieder bei uns melden. Es ist nicht zu erwarten, dass sie mehr sagen werden als dass es keine Inflation gebe und man die Zinsen noch lange nahe null halten werde. Am Montag haben wir uns mit dem fürchterlichen Zustand des US-Arbeitsmarkts beschäftigt. Das kranke daran ist, dass die Fed, die mit ihren Politiken eigentlich an der Malaise Schuld ist, weitere dieser Politiken in die Tat umsetzen möchte.

Die Fed ist der Ansicht, dass die enormen Preissteigerungen dieser Tage temporärer Natur sind. Und zwar deshalb, weil die Löhne stagnieren und der Arbeitsmarkt weiterhin schwach ist. Mit anderen Worten: Die Inflation ist überhaupt kein Problem und wird irgendwann wie von Geisterhand verschwinden. Diese Denkweise beruht auf der Annahme, dass Inflation die Folge von Lohnanstiegen ist. Wenn es keine Lohnanstiege gibt, kann es auch keine Inflation geben. So denkt die Fed wirklich. Oder vielmehr ist es das Mantra das immer dann wiederholt wird, wenn die Versuchung nachzudenken zu groß wird.

Es gibt dabei ein Problem: Was, wenn die Preisanstiege nicht vorübergehend sind? Dann hat die Fed die USA in einen Kreislauf des Verderbens gestürzt. Ein solcher Kreislauf könnte folgendermaßen aussehen: Durch die Abwertung des US-Dollar werden Lebensmitte, Energie und Rohstoffe teurer. Dies schwächt die US-Wirtschaft, da Verbraucher ihre Konsumausgaben senken und kleine Unternehmen schließen müssen. Große multinationale Unternehmen entscheiden derweil, ihre Aktivitäten außerhalb der USA auszubauen, da die dort erwirtschafteten Gewinne aufgrund der Dollar-Abwertung in den USA mehr wert sind und sie dort keine Steuern zahlen. Die Fed verweist dann auf den weiterhin siechenden US-Arbeitsmarkt und sagt: „Keine Inflation? Dann müssen wir weiter Geld auf den Markt pumpen!“ Was wiederum den Dollar schwächt, und so weiter…

Mit freundlichen Grüßen,

Justice Litle

US-Redakteur Taipan

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