Sollte man jetzt antizyklisch short gehen?

29. April 2011

Wow. Die Märkte steigen rund um den Globus. Einige Indizes haben bereits neue Jahreshochs markiert – und damit neue Kaufsignale generiert. Tatsächlich haben DAX, Dow Jones und Co. die Kursverluste nach der Japan-Katastrophe schon komplett aufgeholt.

Es scheint, als habe es das Desaster von Fukushima nie gegeben. Die Unruhen und Bürgerkriege in Nordafrika und im Nahen Osten – Schnee von gestern. Hohe Rohstoffpreise und Inflationssorgen interessieren derzeit niemanden mehr.

Wenn man sich die Stimmung an den Börsen anschaut, dann könnte sie bullischer kaum sein. Die Stimmungsindikatoren sind derzeit äußerst positiv. Teilweise sogar schon im extremen Bereich. Eine derartig positive Börsenstimmung gepaart mit neuen Jahreshochs – das schreit geradezu nach einer Bullenfalle.

Chart: Kursentwicklung des Dow Jones in 2011

Quelle: Bigcharts.com

Denn wie Sie wissen liegt die Masse der Anleger an den Börsen fast immer falsch. Extremwerte in der Börsenstimmung sind also normalerweise ein sehr guter Kontraindikator, dass in naher Zukunft genau das Gegenteil passieren wird.

In den vergangenen Tagen haben mich deshalb auch Kollegen und Kontakte aus der Finanzbranche auf die außerordentlich positive Börsenstimmung angesprochen. Die Argumentation lautet:

„Die Märkte sind in den letzten vier bis sechs Wochen stark gestiegen und die Stimmung ist eigentlich für die fundamentale Lage zu bullisch. Da ist doch nicht mehr viel Luft nach oben. Sollte man jetzt nicht auf fallende Kurse setzen?“

Die ultragrosse Liquidität überdeckt alles

Die Argumentation ist wie gesagt richtig. Wie aus dem Lehrbuch. Eigentlich. Denn einen Punkt vergessen viele Börsianer bei derartigen Überlegungen: Die ultrahohe Liquidität. Erst diese Woche hat die US-Notenbank FED klar gestellt, dass man die Zinsen niedrig halten wird und sogar bereit ist, ein QE3-Programm aufzulegen, wenn es notwendig sein sollte.

Ja, die Stimmung ist extrem bullisch. Aber wenn die Liquidität noch größer ist als die Stimmung, dann können die Kurse noch sehr viel weiter laufen. Das beste Beispiel dafür war die Rallye der Internetaktien und die Neue Markt-Blase 1998 bis 2000.

Deshalb muss das Fazit lauten: Kurzfristig sind die Märkte reif für eine Korrektur. Schauen Sie sich den Chart des Dow Jones Index an. Dort ist der Index am oberen Ende des Aufwärtstrendkanals angekommen. Gleichzeitig ist das Volumen rückläufig. Diese Kombination deutet auf eine kurzfristige Korrektur hin.

Aber: Die Liquidität ist so groß, dass es zu risikoreich ist, um auf fallende Kurse zu setzen. Selbst wenn die Stimmung derzeit extrem bullisch ist. Die Liquidität treibt die Kurse. Die Aufwärtsbewegung kann noch deutlich weiter gehen, als viele Börsianer derzeit denken. Deshalb ist das Risiko für große Short-Engagements zu hoch.

Von Daniel Wilhelmi,
Leitender Redakteur Taipan-Deutschland

 

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