Der Guru schlägt wieder zu – wie ein 81-jähriger die Börsenwelt bewegt

25. Mai 2007

Hang Seng Index –1,34%, Hang Seng China Interprise Index –2,06%, Nikkei –1,22, Nasdaq –1,52% und, um die globale Liste vollständig zu machen, der brasilianische Bovespa –2,47%. Das sind die Abschläge nach dem gestrigen Handelstag, und an den europäischen Börsen setzt sich in den ersten Handelsstunden die negative Tendenz weiter fort. Auslöser für diese Kursturbulenzen sind jüngsten Äußerungen von Alan Greenspan. Und das ist eigentlich erstaunlich. Denn der frühere Chef der amerikanischen Notenbank hat eigentlich nichts mehr zu sagen, doch das Wort des 81-jährigen hat noch Gewicht. Auf einer Konferenz in Madrid hat er vor einem „dramatischen Einbruch“, den es an den chinesischen Börsen geben werde, gewarnt. In der Tat haben mein Börsenkollege Daniel Wilhelmi und ich in unserem täglichen EMail- Newsletter Profit Radar (Anmeldung unter www.profitradar.de) immer wieder darauf hingewiesen, dass die chinesischen Börsen überhitzt und zu teuer sind, weshalb wir auch nur selektive Einzelstories bevorzugen. Doch was die Anleger rund um den Globus verunsichert hat, ist das Wort „dramatisch“. Das hat an den internationalen Börsen zu deutlichen Turbulenzen geführt, zum Glück aber nicht zu Panikverkäufen. Fakt ist, dass vor allem die nur den Chinesen vorbehaltene Börse überhitzt ist. Hier ist jede Menge spekulatives Geld im Spiel, das mittlerweile auch der chinesischen Regierung ein Dorn im Auge ist. Denn Tatsache ist, dass Immobilienkredite im großen Stil genutzt worden sind, um Aktien und nicht Immobilien zu kaufen. Solange die chinesischen Börsen immer weiter steigen, war das ein sicheres Spiel und die Kreditzinsen konnten locker weggesteckt werden. Doch bei einem „Einbruch“, wie von Alan Greenspan vermutet, zumal einem „dramatischen“ bekommt diese Spekulation ganz schnell Schieflage. Was in den aktuellen Kursturbulenzen natürlich völlig untergeht, dass die chinesischen Innlandsbörsen nach wie vor so klein sind, dass sie eigentlich kaum eine Rolle spielen dürften. Doch die Anleger sehen das anders, was zeigt, dass auch viel Psychologie im Spiel ist.

 

Starke Zahlen vom amerikanischen Immobilienmarkt

 

Zur Korrektur-Prognose des großen alten Börsen-Mannes kamen dann noch Konjunkturdaten aus den USA, die durchwachsen waren. Fangen wir mit der schlechten Nachricht an. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung ist stärker gestiegen als erwartet (letzte Woche war es noch umgekehrt), gleichzeitig sind die Auftragseingänge für langlebige Güter wenig stark als erwartet gestiegen. Geradezu sensationell waren aber die Zahlen vom amerikanischen Immobilienmarkt, der in der vergangenen Wochen und Monaten immer wieder für schlechte Nachrichten gesorgt hat. Die Zahl der neu gebauten verkauften Häuser stieg im letzten Monat um 16,2%. Das ist der größte Monatszuwachs seit mehr als 14 Jahren und damit deutlich über den Erwartungen. Hier macht sich die aggressive Vermarktungsstrategie bemerkbar, bei der Häuser im Schnitt mit einem Preisnachlass von rund 11% angeboten wurden. Ein Monat ist natürlich noch viel zu wenig, um eine Tendenz festzustellen. Ein positives Zeichen für eine Stabilisierung des US-Immobilienmarktes ist es aber dennoch. Aufgrund des wieder anziehenden Immobilienmarktes dürfte übrigens auch eine baldige Zinssenkung vom Tisch sein, auf die viele Anleger spekuliert haben. Nach den Greenspan-Äußerungen muss natürlich auch dieser „Schock“ erst einmal verdaut werden.

 

 

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