US-Börsen stoppen freien Fall nach heftigem Kursrutsch der letzten Tage
2. März 2007Jetzt ist es passiert. Ich hatte gleich zu Beginn der TV-Auftritte Anfang Februar in der 3satBörse gesagt, dass mir die Börsen auf diesem Niveau nicht mehr ganz geheuer sind. Vorletzten Freitag sagte ich: “Was mir Sorgen bereitet, ist die Sorglosigkeit, mit der investiert wird.” Erst letzte Woche habe ich gesagt, “dass ich den Eindruck habe, dass der Aktienmarkt nur nach einem Argument sucht, um auszusteigen.”
Mit dieser Heftigkeit hat keiner gerechnet
Und jetzt haben wir seit Dienstag eine Korrektur erlebt, die es in dieser Form seit Jahren nicht mehr gegeben. Mit einer Korrektur hatte ich ja gerechnet, aber nicht unbedingt in dieser Heftigkeit. Wie Dominosteine fiel ein Aktienmarkt nach dem anderen – von Japan und China über Frankfurt bis nach New York und wieder zurück. Als ob an den wichtigsten Handelsplätzen mit einem heftigen Schlag auf den Verkaufsbutton gehauen wurde.
Auslöser ist nicht nur China
Jetzt ist natürlich Wundenlecken angesagt und die Suche nach den Ursachen beginnt. In den Medien wurde sofort China als Schuldiger ausfindig gemacht. In der Tat wurde die Verkaufswelle an der Börse Shanghai losgetreten, als Gerüchte aufkamen, dass die chinesische Regierung Kapitalerträge besteuern will, die Zinsen erhöhen und verstärkt gegen spekulative Gelder vorgehen will. Dazu müssen Sie wissen, dass es in China verboten ist, Bankkredite für Aktienkäufe zu nutzen. Doch die Chinesen haben es trotzdem gemacht. Durch unsere Kontakte haben wir erfahren, dass im großen Stil Immobilienkredite nicht für die Hausfinanzierung, sondern für Aktienkäufe genutzt wurden. Auf diese Weise hat sich eine spekulative Blase gebildet. Die ist jetzt erst einmal geplatzt.
Spekulationen auf Kredit werden zum Risiko
Doch reicht das als Erklärung aus? Ich habe meine Zweifel. Denn die Börse Shanghai ist trotz eines Kursanstiegs von über 130% im letzten Jahr noch eine sehr kleine Börse, die international keine große Bedeutung hat. Deshalb gerät jetzt zunehmend Japan ins Blickfeld. Dort haben viele institutionelle Anleger, darunter auch jede Menge Hedge-Fonds, das niedrige Zinsniveau für Devisen- und Aktienspekulationen genutzt. Es war ja auch über Jahre ein einfaches Spiel. Denn bei einem Zinssatz von 0,25% bekam man das Geld praktisch geschenkt und konnte es fast risikolos in europäische oder amerikanische Staatspapiere anlegen, die jetzt bei 3,50% bzw. 5,25% liegen. In dieser Zinsdifferenz liegt der Gewinn. Dieses Spiel nennt man Carry Trades. Doch jetzt steht schlecht um dieses Spiel. Denn wenn Japan die Zinsen erhöht, kann dies zu erheblichen Verlusten führen. Deshalb wurden Gewinne glatt gestellt, um die Kredite zu bedienen.
Greenspan stellt sich gegen Bernanke
Hinzu kamen Äußerungen des früheren Chefs der US-Notenbank, Alan Greenspan, der zum Ende des Jahres für die USA mit einer Rezession rechnet. Sein Nachfolger Ben Bernanke sieht das allerdings ganz anders und ist wesentlich optimistischer. Im Ergebnis hat dies aber zu einer erheblichen Verunsicherung an den Aktienmärkten geführt. Deshalb sah es auch gestern in den ersten Handelsstunden nach einem massivem Ausverkauf aus, es wurde so gut wie alles auf den Markt geschmissen. Zum Schluss konnten die US-Börsen die Verlust zum Teil wieder aufholen.
Rechnen Sie mit weiteren Korrekturen
Die Frage ist natürlich „Wie geht es weiter?“. Eine Frage, die Ihnen aber seriös kein Mensch beantworten kann. Mein Eindruck ist, dass der erste Boden noch nicht der letzte ist. Will sagen: Auch wenn der freie Fall für erste gestoppt ist, bleiben die Aktienmärkte weiter anfällig für Korrekturen. Das muss aber nicht das Ende der Hausse und der Beginn einer Baisse sein. Denn an der weiter gut laufenden Weltkonjunktur ändert auch die jüngste Korrektur nichts. Auch in China werden aufgrund des massiven Kurssturzes jetzt nicht die Lichter ausgehen. Asien wird neben den USA weiterhin die wichtigsten Impulsgeber bleiben.
Wir werden kaufen, aber nicht jetzt
Für den Wall Street Radar steht deshalb fest: Wir werden wieder kaufen, aber noch nicht jetzt. Besonders im Bereich Klimawandel haben wir die letzten Tage genutzt und eine umfangreiche Watchlist erstellt. Denn gerade in den USA gibt es kleine innovative Nischenanbieter, zum Beispiel aus dem Bereich Luftfilter und Windkraft, die in den letzten Wochen eine regelrechte Flut von Aufträgen erlebt haben. Diese Aktien kommen jetzt wieder auf ein sehr interessantes Einstiegsniveau zurück.




