Verschnaufpause nur von kurzer Dauer – negative Meldungen dominieren
1. August 2008nach den extremen Regenfällen vom letzten Wochenende in Nordrhein-Westfalen hieß es in vielen Ortschaften Land unter. Bis zu 200 Liter Wasser pro Quadratmeter ergossen sich vom Himmel, so viel wie sonst in 3 bis 4 Monaten. Ähnlich sah es zu Wochenbeginn an den US-Börsen aus. Denn der Dow Jones verlor allein am Montag rund 230 Punkte und fiel bis auf 11.131 Punkte zurück. Aber wie nach jedem Unwetter scheint irgendwann auch wieder die Sonne, aber dass es so schnell gehen würde, damit hatte wohl kaum jemand gerechnet. Realtiv gute Konjunkturdaten, ein Rückgang des Ölpreises in den Bereich von 120 USD und einige positive Unternehmensergebnisse haben dafür gesorgt, dass der Dow Jones am Dienstag prompt um 260 Punkte zulegte und den Rückgang vom Vortag mehr als wettmachte. Zu den Tagesgewinnern gehörte unter anderem die USBank Merrill Lynch. Das ist schon seltsam, denn nur 10 Tage nach Bekanntgabe eines Milliarden schweren Quartalsverlustes muss Merrill Lynch erneut Abschreibungen vornehmen. Und zwar in Höhe von ca. 5,7 Mrd. USD, weil man ein ursprünglich 30 Mrd. USD teures Kreditpaket mit einem Abschlag von fast 80 Prozent an eine Tochter von Lone Star Funds verkauft hat, besser gesagt verramscht hat.
Merrill Lynch mit Kapitalerhöhung
Gleichzeitig will sich Merrill Lynch frisches Kapital verschaffen, indem man im Rahmen einer Kapitalerhöhung neue Aktien unter die Leute bringt – zu einem Kurs von 22,50 USD, also deutlich weniger, als derzeit an Börse bezahlt wird. Insgesamt sollen dadurch rund 8,55 Mrd. USD in die Kasse fließen. Ist das jetzt ein Wendepunkt in der Finanzmarktkrise oder wird uns die Geschichte noch weiter verfolgen? Wir sind uns sicher: sie wird. Zwar ist Merrill Lynch – zugegeben ein nicht ganz kleines – Mosaiksteinchen im weltweiten Finanzmarkt und eine Bereinigung der Bilanzen sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.
Bereits 7 Bankenpleiten in 2008
Aber es gibt immer wieder Querschüsse, die die Märkte schnell auf den Boden der Tatsachen zurückholen. So haben zum Beispiel Ende letzter Woche 2 weitere US-Banken Pleite gemacht: die First National Bank of Nevada und die First Heritage Bank of California. Damit sind in diesem Jahr bereits 7 USBanken kollabiert, wobei der Zusammenbruch des Immobilienfinanzierer IndyMac die drittgrößte Bankenpleite in der USGeschichte überhaupt war. Und es gibt genügend Stimmen, die noch Dutzende Pleiten, vor allem in der Immobilienfinanzierung tätiger Banken erwarten. Auch die Schieflage vieler Großbanken ist noch nicht behoben. Niemand weiß genau, wie viele Milliarden an Abschreibungen noch in den Bilanzen schlummern. Vielleicht wissen es die Bankmanager sogar selber nicht genau.
IWF warnt vor weiteren Zusammenbrüchen
Jetzt hat sich auch der Internationale Währungsfonds (IWF) zu Wort gemeldet. Auch der IWF sieht die Gefahr weiterer Bankenzusammenbrüche und schätzt, dass sich die durch die Subprime-Krise weltweit verursachten Verluste auf – jetzt halten Sie sich fest – rund 945 Mrd. USD belaufen könnten. Bei solchen Dimensionen kann selbst einem eingefleischten Börsianer schon flau im Magen werden. Deshalb können Sie darauf wetten: Die Finanz- und Immobilienkrise wird uns noch eine ganze Zeit lang verfolgen. Die Messe ist noch lange nicht gelesen. Da reichen schon ein paar schlechte Nachrichten wie am Donnerstag: eine schrumpfende US Wirtschaft, mehr Anträge auf Arbeitslosenhilfe – und schon geht es wieder mehr als 200 Punkte abwärts beim Dow. Trotz aller Widrigkeiten ist die Woche für American Superconductor, First Solar und den Wall Mart-Call gut gelaufen. Dazu mehr auf den Folgeseiten.




