An George W. Bush, in Liebe (Teil 1)

18. Februar 2009

Ähnlich wie ein Liebender nach dem Ende einer Beziehung haben die US-amerikanischen Medien die gesamte Präsidentschaft George W. Bushs scheinbar in einem Schuhkarten auf dem Dachboden der Geschichte deponiert.

Die grundlegende Tatsache, dass man einer neuen Macht am besten durch das Vergessen der alten dient, geht über die Politik und selbst über die Menschheit hinaus. Sie ist in der DNS des Lebens zementiert. Aus diesem Grund tötet ein Löwe die Nachkommen des ehemaligen Patriarchen: Es ist einfach die brutale Natur der Dinge.

Ich fühle mich verpflichtet, meinen Medienkollegen an dieser Stelle unter die Arme zu greifen und äußere, was jedes Mitglied des US-amerikanischen Medienestablishments denkt, sich aber nicht traut zu sagen.

  • Danke, Mr. President, dass Sie uns in einen Krieg gegen den Irak ohne klar formuliertes Ziel verwickelt und unsere Volkswirtschaft durch die enormen Kosten in den freien Fall gestürzt haben. Ein Krieg, der uns nichts eingebracht hat als den Stolz, die Demokratie mit Gewalt verbreitet zu haben.
  • Danke, Mr. President, für die Aufblähung der Behörden, welche die Vorstellungskraft selbst des liberalsten Journalisten übersteigt. Mit der beispiellosen Stärkung des Bundes haben Sie die republikanische Philosophie eines schlanken Staates auf alle Ewigkeit der Lächerlichkeit preisgegeben.
  • Danke, Mr. President, dafür, dass sie das Thema, das 80% aller Amerikaner beschäftigt, ignoriert haben: Die illegale Einwanderung. Mit der großen Rhetorik und der Tatenlosigkeit in dieser Frage hat Ihre Partei den Demokraten einen Persilschein zur weiteren Ignoranz der Problematik ausgestellt.
  • Danke, Mr. President, für die Maßnahmen nach dem 11. September, welche in der Bevölkerung zu den unbeliebtesten seit der Prohibition zählen. Für den Patriot Act, welcher für immer und ewig als ein Symbol fragwürdiger Gesetzgebung stehen wird und im Innern des Landes mehr schadet als er nach außen nützt, gebührt Ihnen ein beherztes Schulterklopfen.
  • Danke, Mr. President, für genügend idiotische Kommentare, um die US-Amerikaner künftig von der Wahl eines jovialen Präsidentschaftskandidaten abzuhalten. Durch Ihr Geschwätz haben Sie die bislang starke Wirkung der bodenständigen, volksnahen und geradlinig auftretenden Kandidaten zerstört und die Amerikaner darauf programmiert, dem glattesten und berechnendsten Kandidaten zu vertrauen.

Sie haben uns, also den Demokraten, einen einfachen Sieg ermöglicht. Natürlich sind wir euphorisch. Aber jetzt haben wir dank Barrack Obama niemanden mehr, den wir fertigmachen können.

In Liebe,

Jim Amrhein
US-Redakteur Taipan

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