Wladimir Putin und der Kampf um die Ukraine
4. März 2009Angela Merkel weiß, dass ihr und der CDU in diesem Jahr einige schwierige Wahlen bevorstehen. Sie weiß auch, dass Deutschland derzeit arge wirtschaftliche Probleme hat. Ein großes Rettungspaket für europäische Staaten wäre derzeit eine extrem unpopuläre Maßnahme. Als der ungarische Premierminister Ferenc Gyurcsany kürzlich ein Rettungspaket im Umfang von 241 Mio. EUR für mittel- und osteuropäische Staaten vorschlug, dürften sich die Vertreter der reicheren EU-Mitgliedsstaaten an ihrem Mittagessen verschluckt haben.
Die Möglichkeit eines europäischen Zusammenbruchs ist eine erschreckende Vorstellung. Es gibt in Osteuropa jedoch einen weiteren Brennpunkt, der sogar in einen Krieg münden könnte. Ich spreche hier von der Ukraine.
Es gibt viele Gründe für die langfristige strategische Relevanz, welche die Ukraine für Russland besitzt. Bislang hat sich Wladimir Putin zur Sicherung seiner Popularität auf folgende Strategie gestützt:
- die Ausbeutung von Öl- und Gasressourcen durch Bündnisse mit den „Oligarchen”.
- der Kauf von Popularität mithilfe der Gewinne aus dem Rohstoffexport.
- die Sicherung dieses Systems durch den massiven Einsatz von Sicherheitskräften und die Bekämpfung jeglicher Opposition.
Da dieses System auf den hohen Öl- und Gaspreisen beruht, bricht es mit dem Rückgang dieser Preise zusammen. Aus diesem Grund werden die Proteste innerhalb der Bevölkerung lauter, sodass es sogar Zeichen der offenen Rebellion gegen Russlands Präsidenten Dmitri Medwedew gibt.
Es wäre ein großer Sieg für Putin, wenn er die Ukraine vom Westen lösen und wieder in die russische Einflusszone bringen könnte. Und auch der Stolz der russischen Bevölkerung würde, insbesondere nach der orangenen Revolution vor fünf Jahren, geschmeichelt. Sollte der Westen die Ukraine wirklich „verlieren”, könnten auch andere osteuropäische Staaten in einen emotionalen Strudel aus Verrat, Wut und Verzweiflung gezogen werden. Es ist ein sehr explosiver Cocktail, aus dem Kriege hervorgehen.
Ich werde die Entwicklung in Europa und der Ukraine weiter verfolgen. Noch ist es zu früh um sagen zu können, wie diese Episode enden wird. Aber ich brauche wohl kaum zu erwähnen, dass der Ausgang des Spiels einen großen Einfluss auf die makroökonomische Landschaft haben wird.
Justice Litle
US-Redakteur Taipan




