Die bereinigenden Effekte der Krise (Teil 2): Das Desaster um die AIG
11. März 2009Nouriel Roubini hat jüngst in einer Kolumne des Forbes-Magazins darauf hingewiesen, dass der Verlust von AIG im Jahr 2008 ganze 99 Mrd. US-Dollar betragen hat. Davon entfallen allein auf das vierte Quartal 62 Mrd. US-Dollar. Um die AIG aufzupäppeln wurden aus “öffentlichen Ressourcen” bisher 162 Mrd. US-Dollar aufgebracht. Und Roubini fragt sich, ebenso wie ich, wie der Steuerzahler 162 Mrd. US-Dollar zahlen kann, ohne dass er an der AIG beteiligt ist. Angesichts der Unsummen, die bereits aus Steuergeldern gezahlt wurden, hält Roubini die Verstaatlichungsdebatte um die AIG für “surreal”.
Was mir aber überhaupt nicht in den Kopf gehen will: Wie können Finanzminister Geithner, Fed-Chef Bernanke & Co. weiterhin davon sprechen, “das Vertrauen in das Bankensystem” wiederherstellen zu wollen, und gleichzeitig die Steuerzahler weiter zur Kasse zu bitten, obwohl uns solche Einrichtungen schon längst gehören sollten. Es ist offensichtlich, zu welch einem Ausverkauf es auf den Märkten gekommen ist. Eine Rally ist längst überfällig. Aber das sagenumwobene Vertrauen ist bisher noch nicht zurückgekehrt.
Inzwischen bildet sich aber im informierten Konsens eine Vorstellung heraus, wie wir das Schiff wieder auf Kurs bringen können. Es gibt keine absolute Lösung, aber langsam fügt sich eines zum anderen. Und drei von mir sehr geschätzte Personen, Nassim Taleb, Paul Volcker und Martin Wolf, haben in unterschiedlichen Varianten ein und dieselbe Idee ins Spiel gebracht, die folgendermaßen beschrieben werden kann: Von nun an gilt ein Entweder-Oder. Entweder sind Unternehmen in Zukunft öffentliche Einrichtungen oder sie sind als private Gesellschaften selbst für ihre Risiken verantwortlich. Beides gleichzeitig darf nicht weiter sein. Zumindest hat inzwischen eine Debatte in diese Richtung begonnen.
Mit den besten Grüßen,
Justice Litle
US-Redakteur Taipan




