Von Florida bis Shanghai: Probleme auf dem Immobilien-Markt

5. Oktober 2011

Die Immobilienkrise ist in eine neue Phase eingetreten: Kreditgeber verklagen Hausbesitzer, oder besser: ehemalige Hausbesitzer.

Eine dieser Geschichten konnten wir jüngst im "Wall Street Journal" nachlesen. Es ist die Geschichte von Joseph Reilly, der letztes Jahr sein Ferienhaus verlor, weil er die Hypothek nicht mehr bezahlen konnte. Die Bank nahm sich das Ferienhaus und verkaufte es. Joseph Reilly dachte, dies sei das Ende der Geschichte. Doch im Juni wurde er eines Besseren belehrt. Per Telefon wurde er darüber informiert, dass er per Gerichtsurteil eine Summe von 192.576,71 US-Dollar zahlen müsse. Es stellte sich heraus, dass der Verkaufspreis des Ferienhauses unter dem Betrag lag, den Reilly der Bank noch geschuldet hatte. Für die Differenz musste nun Reilly aufkommen.

Es handelt sich hierbei um einen beunruhigenden Trend. Und dieser neue Trend schlägt sich natürlich auch im Verhalten der Konsumenten nieder. Jene Personen, denen ihr Haus genommen wurde, müssen nun fürchten, dass sie jederzeit schlechte Nachrichten ereilen werden.

Anhand des S&P Retail Index ETF können wir die Stimmung in den USA sehr gut nachvollziehen:

 

 

Aber die Finanzmärkte blicken nicht nur auf die USA. Kurzfristig ist vor allem China von Interesse. Der Shanghai Stock Exchange Composite hat seit seinen Höchstständen im April mehr als 20% nachgegeben. Die chinesische Regierung hat die Kreditvergabe für den Hausbau über die staatlichen Banken nach und nach gedrosselt. Hiermit macht sich auch in China langsam der Druck der Kreditklemme bemerkbar. Es gibt alarmierende Anzeichen, dass China als einer der wichtigsten Antreiber der weltweiten Wirtschaft vor Problemen steht.

Eine gute Nachricht wäre, wenn wir in den kommenden Monaten eine Auszeit von den negativen Meldungen aus Europa hätten. Aber diese Schlagzeilen dürften problemlos durch die Rezessionssorgen in den USA und die Entwicklung in China ersetzt werden.

Mit den besten Grüßen,

Ihr Justice Litle

US-Redakteur Taipan

Eine Reaktion zu “Von Florida bis Shanghai: Probleme auf dem Immobilien-Markt”

  1. Knud Kristoffersen

    Gut, dass ich kein Haus besitze!

    Spaß beiseite: Das ist natürlich ein doppelter Verlust für die Betroffenen. Zuerst das Haus weg, dann auch noch eine saftige Nachzahlung. Man kann also als Hausherr, der einen Kredit aufnimmt, mehr als alles verlieren.

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