Der Wert des unhöflichen Diskurses

11. September 2009

Leidet Amerika unter einem Mangel an Höflichkeit in Bezug auf politische Debatten? Oder ist es genau andersherum? Diese Frage stellt sich, wenn man den Wutausbruch des Republikaners Joe Wilson aus South Carolina betrachtet. Wie sie vermutlich mitbekommen haben, fühlte sich Wilson am Mittwochabend berufen, Präsident Obama während dessen Rede öffentlich und lauthals einen Lügner zu nennen. Obama hatte zuvor bekräftigt, im Rahmen seiner Gesundheitsreform illegale Immigranten nicht versichern zu wollen.

Die Kontroverse kochte schnell über. John McCain, der ehemalige Konkurrent Obamas bei der Wahl zum US-Präsidenten, nannte Wilsons Verhalten “respektlos“ und forderte eine Entschuldigung. In der Zwischenzeit brach Wilsons Website zusammen und sein Twitter-Kanal wurde mit Nachrichten überschwemmt. Aber sollten solche Ausbrüche durchweg als unangemessen und unerwünscht wahrgenommen werden? Im britischen Parlament ist ein solches Verhalten gängig. Dort werden Redner regelmäßig ausgebuht, ausgelacht und beschimpft. Hätte Joe Wilson im britischen Parlament gestört, hätte er es wohl kaum in die Abendnachrichten geschafft.

Es ist kein Zufall, dass Diktatoren in der Regel keinen Sinn für Humor haben. Satire spielt eine wichtige Rolle im politischen Leben. Jemanden für eine schlechte Idee auszulachen ist ein Weg, die Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen. Warum sollte sich der mächtigste Mann der Welt nicht aggressiven Fragen stellen müssen? Und weshalb sollte er nicht auf die gleich Weise antworten dürfen? Möglicherweise weil US-Politiker ein Skript haben, von dem sie nicht fähig sind, abzuweichen.

Mit freundlichen Grüßen,

Justice Litle

US-Redakteur Taipan

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