Die Boeing-Investoren erklimmen die falsche Mauer

22. Oktober 2009

An der Wall Street hört man oft die Redensart, die Investoren würden eine “Wall of Worry“ erklimmen. In diesem Bild liegt eine gewisse Wahrheit, denn natürlich gehen die Anleger zum Erzielen von Gewinnen Risiken ein. Nun könnte man denken, dass es sich um ein bekanntes und gut abzuschätzendes Risiko handelt. Aber da hat man sich anscheinend geirrt. In den vergangenen Monaten haben die Investoren nicht einmal die einfachsten Regeln beachtet, wie man sie schon Schulkindern beibringt. So sollte man z.B. erst nach links, dann nach rechts und schließlich wieder nach links schauen, bevor man eine Straße überquert. Die Börsianer erklettern derzeit einen Berg aus Lügen, Ignoranz und schierer Dummheit.

Im März war die Aktie von Boeing (NYSE: BA) für rund 29 Dollar zu haben. Das Wertpapier hatte diesen niedrigen Stand wohl verdient, war doch das Unternehmen sogar, neben den schlimmen Auswirkungen der Rezession, in den Bankensumpf verstrickt. Zum selben Zeitpunkt hörte man aus Richtung Washingtons aber schon etwas vom Licht am Ende des Tunnels. Im März und April stieg die Boeing-Aktie dann um jeweils 16%, obwohl das Unternehmen im März bloß Aufträge für vier Flugzeuge erhielt. In dieser Woche mussten wir erfahren, dass die Verzögerungen bei der Entwicklung der 747-Linie im dritten Quartal zu Abschreibungen in Höhe von 1,6 Mrd. Dollar geführt haben. Der Gewinn je Aktie dürfte in diesem Jahr nicht bei 5,00 Dollar, wie versprochen, sondern eher bei 1,50 Dollar liegen. Oder vielleicht 1,35 Dollar. Dennoch legte die Aktie leicht zu.

Trotz all der Enttäuschungen erklimmt die Boeing-Aktie die Mauer der Sorgen. Es handelt sich bei solchen Investments nicht um kalkulierte Risiken. Sondern eher um ein Bonbon, das man vom netten Herrn mit dem Trenchcoat auf der Straße entgegennimmt.

Mit freundlichen Grüßen,

Adam Lass

US-Redakteur Taipan

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